Ernst Wilimowskis Grab wurde verlegt

Neue Ruhestätte für den besten oberschlesischen Fußballspieler aller Zeiten

Die Umbettung geht auf die Initiative des deutschen Fan-Clubs des Fußballvereins Ruch Chorzów zurück.

Im Frühjahr elektrisierte viele oberschlesische Fußballfans die Nachricht aus Karlsruhe, dass dem Grab des einstigen Superstars von Ruch Königshütte (Chorzów) wegen Umstrukturierung des dortigen Hauptfriedhofs Einebnung drohe. Daraufhin startete der deutsche Fan-Club des Vereins Ruch Chorzów eine internationale Spendenaktion (s. SILESIA News).

Die Initiative der Ruch-Fans aus der Bundesrepublik stieß auf einen großen Widerhall. Sowohl Privatpersonen als auch mehrere Institutionen und ein Unternehmen beteiligten sich daran. Von den benötigten über 21.000 Euro stellten die Fans der „Blauen“ aus Deutschland, Polen und Irland fast ein Drittel der Summe zur Verfügung. Maßgeblich unterstützt wurde die Spendenaktion zudem vom Deutschen Fußballbund, dem VfB Stuttgart, dem regionalen Schlesischen Fußballbund in Kattowitz (Katowice) und dem Königshütter Unternehmen „Marex“. Die Stadt Karlsruhe übernahm wiederum einen Teil der Friedhofsgebühr.

Die Umbettung innerhalb des Friedhofs erfolgte im Rahmen einer katholischen Trauerfeier am 30. August 2025. In der Gruppe, die die sterblichen Überreste des legendären Ezi, so der Spitzname des Fußballers, begleitete, befanden sich außer den Fans auch der Stadtpräsident von Königshütte und der Präsident des Schlesischen Fußballbundes.

Neuer Grabstein auf dem Grab der oberschlesischen Fußballlegende. Quelle: www.ksruch.com

Ernst Wilimowskis Lebenslauf könnte symbolisch für die vielen oberschlesischen Schicksale stehen, die im 20. Jahrhundert von Krieg, Politik und Totalitarismen überschattet wurden. Im Jahr 1916 im deutschen Kattowitz geboren wurde er acht Jahre später infolge neuer Grenzziehung zum Bürger der Republik Polen. Der aus einer deutsch gesinnten Familie stammende Junge begann seine Kariere beim 1. FC Katowice, dem Verein der deutschen Minderheit, der 1928 beinahe der erste polnische Meister im Liga-System geworden wäre. Im Alter von 18 Jahren wechselte das junge Supertalent zu Ruch (damals offiziell: Ruch Wielkie Hajduki, heute Ruch Chorzów), mit dem er viermal in Folge polnischer Meister wurde. Im Jahr 1938 nahm er mit der polnischen National-Elf an der Weltmeisterschaft in Frankreich teil, wo er als erster Spieler in der Fußballgeschichte fünf Tore in einer WM-Partie schoss (gegen Brasilien, 5:6).

Erneute Bestattung Ernst Wilimowskis 2025. Quelle: Facebook-Account Ruch Chorzów

Da Wilimowski nach dem erneuten Anschluss Ostoberschlesiens an Deutschland seit 1941 für die deutsche Nationalmannschaft und für den TSV 1860 München Tore schoss, wurde er nach Kriegsende von der polnisch-kommunistischen Verwaltung als Verräter abgestempelt. Eine Rückkehr nach Oberschlesien war für ihn nicht möglich. Nach 1945 kickte er bei mehreren westdeutschen Vereinen, darunter beim VfR Kaiserslautern, für den er mehr Tore schoss als der Rest seiner Mannschaftskollegen zusammen. Seine oberschlesische Heimat besuchte er nie wieder. Er starb 1997 in Karlsruhe. 

Ernst Wilimowski auf dem Titelblatt einer deutschen Sportzeitschrift aus den 1940er Jahren.

Ernst Wilimowski ist der einzige Fußballer, der in offiziellen Spielen Tore für und (als polnischer Nationalspieler) gegen Deutschland erzielt hat.

Text: Dawid Smolorz