Ein Blick zur Seite. Das Leben an der Autobahn A4

Vortrag und Diskussion im Schlesischen Museum widmen sich der Strecke Breslau-Görlitz

Eine Kulturwissenschaftlerin, ein Architekt und ein Künstler diskutieren über den Wert der architektonischen Veränderungen entlang der A4.

Drei polnische Gastreferenten nehmen die Architektur entlang des Autobahnabschnittes Breslau–Görlitz der A4 in den Blick. Sie betrachten die Autobahn nicht nur als Verkehrsader, sondern als Kulturlandschaft. Der Fokus des Vortrages und der Diskussion richtet sich auf die Reisearchitektur: den Straßenrändern, Parkplätzen, Tankstellen, Überführungen, Werbetafeln und zufälligen Ausblicken – all dem, was normalerweise am Rande einer Reise bleibt. Es wird gefragt, wie sich die Nutzung der Gebiete entlang der Autobahn im Laufe der Zeit verändert hat. Wie hat sich die Architektur für Menschen entwickelt, die nur für wenige Minuten anhalten? Können Straßenränder, Parkplätze, Tankstellen, Gasthäuser, Motels oder Raststätten zu einem Reiseerlebnis werden und damit mehr sein als nur eine dienstleistungsorientierte Ergänzung zur Straße?

Die ehemalige Reichsautobahn 9 war in den 1950er Jahren im polnischen Niederschlesien ein Ziel für Sonntagsausflüge und Fahrradtouren. Die Aufnahme entstand bei Kanth, nahe Breslau (heute: Kąty Wrocławskie). Foto-Atelier von Karol Danielewicz, Verein der Freunde der Region Kąty

Im Rahmen der Diskussion bringt Dr. Agata Ciastoń die Perspektive einer Kulturwissenschaftlerin auf die Geschichte der A4 ein. Der Architekt Dr.-Ing. habil. Łukasz Wojciechowski von der TU Breslau (Wrocław) hat die Phänomene rund um die Straße fotografiert, untersucht und beschrieben. An der Debatte nimmt außerdem der Künstler Dr.-habil. Piotr Skiba, Dozent an der Fakultät für Malerei der Akademie der Bildenden Künste in Stettin (Szczecin) teil, der seine Inspiration oft auf Autobahnparkplätzen findet.

Die Referenten werden sich auch mit den Spuren der Vorkriegs-Reichsautobahn befassen. Einst von den Nationalsozialisten als Propagandainstrument genutzt, ist die A4 heute eine Straße, die Völker verbindet und als ein Raum gemeinsamer deutsch-polnischer Erinnerung dienen kann.

Reisebus an der Autobahntankstelle bei Bettlern, nahe Breslau (heute: Bielany Wrocławskie), 1980er Jahre. Foto: Autor unbekannt, Polska-org.pl | WDR Digit (digit.wdr.de) | Westdeutscher Rundfunk Köln

Die Diskussion leitet Krzysztof Dobrowolski, Kulturwissenschaftler und Projektmanager in den Bereichen Kunst und Sport

Die Referenten sind:

Dr. Agata Ciastoń, Forscherin, Autorin, Lehrerin und Kuratorin

Dr.-Ing. habil. Łukasz Wojciechowski, Architekt und Dozent an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Breslau

Dr.-habil. Piotr Skiba, Künstler und Dozent an der Fakultät für Malerei der Akademie der Bildenden Künste in Stettin

Termin

Dienstag, den 29.09.2026, 18:00 Uhr
Schlesisches Museum zu Görlitz, Eingang Fischmarkt 5

Die Veranstaltung findet mit Simultanübersetzung statt.
Ticket: 3 Euro

Text: Dr. Martina Pietsch, Schlesisches Museum zu Görlitz