Im Ratiborer Land wird immer noch gewartet
Seit kurzem stehen tschechisch-polnische Ortsschilder in zwei weiteren Ortschaften des Olsa-Gebietes. Polen machen hier bis 25 Prozent der Einwohner aus.
Seit kurzem stehen tschechisch-polnische Ortsschilder in zwei weiteren Ortschaften des Olsagebietes. Sowohl Piossek (tsch. Pisek, poln. Piosek) als auch Bukowetz (tsch. Bukovec, poln. Bukowiec) liegen in direkter Nähe der Grenze zu Polen und werden jeweils zu ca. 20 bis 25 Prozent von Polen bewohnt.
Die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln erfolgte dort auf Initiative der lokalen Ortsgruppen der polnischen Minderheitenorganisation (PZKO, Polnischer Verband für Kultur und Bildung). Die Novelle des tschechischen Minderheitengesetzes von 2009 sieht vor, dass zweisprachige Ortstafeln aufgestellt werden können, wenn in einer Ortschaft Angehörige einer nationalen Minderheit mindestens zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen und sich die Mehrheit der Einwohner dieser Ortschaft dafür ausspricht. Im tschechischen Teil des Teschener Schlesien stehen heute in über 30 Ortschaften zweisprachige Ortsschilder. Zweisprachige Beschilderung und auch Durchsagen (!) gibt es überdies an einigen Bahnhöfen in der Region.


Piossek und Bukowetz befinden sich im Süden eines geschlossenen polnischen Sprachgebietes, in dem auch die Städte Jablunkau (tsch. Jablunkov, poln. Jabłonków), Trzynietz (tsch. Třinec, poln. Trzyniec) und Tschechisch-Teschen (tsch. Český Těšín, poln. Czeski Cieszyn) liegen. In allen drei genannten urbanen Zentren gibt es bereits seit mehreren Jahren zweisprachige Orts- und Straßenschilder. Zu erwähnen sei an dieser Stelle, dass ein Teil der polnischsprachigen Bevölkerung des Olsagebietes bei den Volkszählungen nicht die polnische, sondern die tschechische oder die schlesische Nationalität deklariert (hier ein Beitrag über den interessanten Fall des polnischsprachigen Ortes Hertschawa.

Im polnischen Oberschlesien haben etwa 360 Orte zweisprachige deutsch-polnische Ortstafeln (die letzten von ihnen wurden Ende 2024 in drei Dörfern des Kreises Groß Strehlitz/Strzelce Opolskie) aufgestellt. Bereits vor zehn Jahren unternahmen die im Kreis Ratibor (Racibórz) gelegenen Gemeinden Rudnik (Rudnik) und Groß Peterwitz (Pietrowice Wielkie) den ersten Versuch, zweisprachige deutsch-polnische Beschilderung einzuführen. In der Regierungszeit der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) zögerte aber das Ministerium des Innern und der Verwaltung die Eintragung in das Amtsregister der Gemeinden mit Ortsnamen in Minderheitensprachen ins Unendliche hinaus. Letzten Endes erfolgte dies erst nach dem Regierungswechsel im März 2025. Dennoch haben Rudnik und Groß Peterwitz immer noch keine zweisprachige Ortstafeln. Als Hindernis erwiesen sich diesmal die finanzielle Frage und der Wille der kommunalen Verwaltung, nach zehn Jahren die Einstellung der lokalen Bevölkerung zu einer solchen Initiative noch einmal zu sondieren.

Die polenweit ersten deutschen Ortschilder wurden 2008 in Lubowitz (Łubowice), dem Geburtsort Joseph von Eichendorffs, aufgestellt.
Text: Dawid Smolorz
