Niederschlesien auf der Leinwand

Filme aus und über Niederschlesien werden beim 29. FilmFestivalCottbus gezeigt.

Beim diesjährigen Festival des osteuropäischen Filmes in Cottbus (5.-10.11.2019) steht Niederschlesien im Fokus der Regio-Sektion.

Seit 1945 wurden in Wrocław und in der Region über 400 Kinofilme produziert. Besonders seit den letzten Jahren boomt das Kino in und aus Niederschlesien. Das FilmFestival Cottbus zeigt ein spannendes Geflecht aus Spiel- und Dokumentarfilmen, Archivmaterial und Filmen der OFF-Szene, die uns mit einer kulturpolitischen und geschichtlichen Landschaft vertraut machen.

Zum ersten Mal ist das traditionsreiche Filmfestival mit drei Filmvorführungen zu Gast in Görlitz-Zgorzelec.

Das Kino aus Niederschlesien ist auch eine einzigartige Gelegenheit Europas Geschichte der letzten 70 Jahre zu verstehen und den kulturellen sowie sozialen Wandel einer Region zu erleben. Lange nach dem Zweiten Weltkrieg barg die Wahrnehmung von Schlesien ein verzehrtes Wunschbild oder eine durch den Schmerz der Vertreibung verleugnete Vergangenheit. Erst in den 1960er-Jahren trauten sich Filmemacher abseits der Propagandastreifen und der staatlich reglementierten Narration die Geschichte Niederschlesiens zu erzählen. Filme wie Jerzy Hoffmans DAS GESETZ UND DIE FAUST, Siegfried Kühns KINDHEIT oder EIN JAHR DER RUHENDEN SONNE von Krzysztof Zanussi konfrontieren uns mit der Vergangenheit der Region abseits der politischen Vorgaben. Sie erzählen die deutsch-polnische Geschichte auf höchstem Niveau – mal poetisch, mal schonungslos. Dokumentationen wie DER HIRTENBRIEF komplementieren diese Geschichte. Ohne den Bischof Bolesław Kominek und seine berühmte Botschaft „Wir vergeben und bitten um Vergebung“, wäre der Kniefall des Bundeskanzlers Willy Brandt 1970 am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos kaum nachvollziehbar und die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze nicht vorstellbar.

Wie ist Versöhnung möglich, wenn nicht dank der Vergebung? Nur ein offener und hassfreier Zugang zur Vergangenheit, abseits der einseitigen Perspektiven etwa der Vertriebenenverbände oder der staatlichen polnischen Propaganda, bietet die Chance für eine gemeinsame Zukunft – eine Zukunft, die die Vergangenheit hinter sich lässt.

Wrocław ist in gewisser Weise aber auch – aufgrund seiner Geschichte – eine Stadt ohne Vergangenheit, in der sich eine neue und aktive Filmszene erst etablieren musste. Daran mitgewirkt haben so bekannte und unterschiedliche Filmemacher wie Bodo Kox (das FFC präsentierte 2017 THE MAN WITH THE MAGIC BOX von ihm), Jan Jakub Kolski, der Begründer des magischen Realismus im polnischen Kino, und Przemysław Wojcieszek, der Beatnik der polnischen Filmszene.

 

Mehr Informationen unter www.filmfestivalcottbus.de