Mission Impossible in Niederschlesien? – Eine Aktualisierung

Über 100 Jahre alte Bahnbrücke in Niederschlesien soll bei einer Hollywood-Produktion gesprengt werden

Das mediale Interesse in und außerhalb Polen steigt. Die Proteststimmen werden lauter.

Ende Juli berichtete SILESIA News über die Pläne, die Bobertalbrücke in Mauer/ Pilchowice bei den Dreharbeiten zur neuen Folge von „Mission: Impossible“ durch eine Explosion zu zerstören. Seitdem nimmt das Interesse der polnischen und auch deutschen Medien zu. Es mehren sich die Initiativen zu Rettung der Brücke und die offiziellen Protestschreiben an den polnischen Premierminister Mateusz Morawiecki.

Hier die chronologische Darstellung der wichtigsten Entwicklungsbausteine und Medienberichte im Fall Bobertalbrücke nach der ersten Veröffentlichung bei SILESIA News:

28. Juli
Der polnische Vize-Minister für Kultur und nationales Erbe, Paweł Lewandowski, bestätigt die Pläne, die Bahnbrücke zu Filmzwecken sprengen zu lassen. Er äußert sich abwertend über den Zustand und den Wert der Brücke: Nicht jedes alte Ding sei ein Denkmal. Die Brücke sei eine wertlose Ruine. Bei den Dreharbeiten würde ohnehin nur ein kleiner Teil gesprengt. (Quelle)

4. August
29 polnische Wissenschaftler um Prof. Dr. habil Jan Kęsik vom Historischen Institut der Universität Breslau/ Wrocław appellieren mit einem Schreiben an den Premierminister Morawiecki und sein Ministerium für Kultur und Nationales Erbe, die Sprengung zu verhindern. (Quelle)

4. August
Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht den Beitrag: Tom Cruise vs. Denkmalschutz 

4. August
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlicht den Beitrag: Was die Wehrmacht nicht schaffte

6. August
Der Regisseur von „Mission: Impossilbe“, Christopher McQuarrie, versichert in seiner ersten offiziellen Stellungnahme im Fall Bahnbrücke, dass niemand von seinem Produktionsteam die Sprengung geplant hätte. Die Idee und die Brücke selbst habe die polnische Seite vorgeschlagen, die an der partiellen Zerstörung der Brücke interessiert sei, um sie später neu aufzubauen. Gesprengt werden sollten die Stahlkonstruktion (der „Fischbauch“), nicht die Betonpfeiler. Für den Schaden würden die Filmleute aufkommen. (Quelle ENG;  Quelle PL)

7. August
Das Deutsche Kulturforum östliches Europa ruft zur Beteiligung an der online-Petition gegen Sprengung der Brücke  auf.

8. August
Die taz veröffentlicht den Beitrag Hauptsache, es knallt

9. August
Der MDR veröffentlicht den Beitrag Will Tom Cruise eine polnische Brücke in die Luft sprengen?

10. August
Die Sächsische Zeitung veröffentlicht den Beitrag Hollywood will historische Brücke sprengen

10. August
Die Tageszeitung Gazeta Wyborcza deckt Unstimmigkeiten und Lügen im Fall Bahnbrücke auf. Der technische Zustand der Brücke sei viel besser als das Kulturministerium, die Polnische Bahn oder die Firma Alex Stern, die für die Hollywood-Produktion arbeitet, behaupten. Dr. Ing. Józef Rabiega vom Lehrstuhl für Brücken und Bahn an der Technischen Universität Breslau (Politechnika Wrocławska) hat entsprechendes Gutachten vorbereitet. Die Brücke bräuchte lediglich einige Reparatur- und Sanierungsmaßnahmen und kann weiterhin als Bahnbrücke dienen. Die Maßnahmen wären nicht teurer als 5-6 Mio. Złoty. (Quelle) 

12. August
Die Denkmalschutz-Stiftung „Fundacja Thesaurus“ hat gegen die Polnische Bahn wegen der geplanten Sprengung der Brücke eine Klage beim Gericht eingereicht. Zusammen mit der Klage wurde ein Arrestantrag auf 150 Mio. Złoty für den Fall der Zerstörung der Brücke eingereicht sowie die Benachrichtigung über den Verdacht gesetzeswidriger Handlung vom Chef der Filmproduktionsfirma „Alex Stern“, Robert Golba, Vize-Kulturminister Paweł Lewandowski sowie von Mitarbeitern der Antikorruptionsbehörde (Centralne Biuro Antykorupcyjne). (Quelle)

12. August
150 Kunsthistoriker und Denkmalschützer aus vielen Ländern (auch vom Schlesischen Museum zu Görlitz) unterschrieben einen offenen Brief an Premierminister Morawiecki zum Schutz der Bahnbrücke. (Quelle) 

Text: Agnieszka Bormann
Foto: Krzysztof Ćwik/ Agencja Gazeta