Erich Fuchs, ein Vertreter der Heimatkunst im Riesengebirge

Maler und Grafiker Erich Fuchs (1890–1983) dokumentierte über Jahrzehnte hinweg das Alltagsleben, die Landschaft und Kultur im Hirschberger Tal

Aktuell sind seine Arbeiten in Görlitz zu sehen.

Im Hirschberger Tal lebte im 20. Jahrhundert ein Künstler, dessen Werk heute zu den wichtigen Darstellungen des Riesengebirges und des alltäglichen Lebens in der Region zählt. Erich Fuchs (1890–1983), Maler und Grafiker, dokumentierte über Jahrzehnte hinweg das Alltagsleben, die Landschaften und die Kultur der Region. In einer Zeit rasanter touristischer Entwicklung und tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche jener Epoche wurde er zu einem stillen Hüter des Überlieferten. In seinen Werken bewahrte er das aussterbende Handwerk, die traditionelle Industrie, die schlesische Tracht und die regionalen Bräuche – all das, was unaufhaltsam in die  Vergessenheit zu gleiten drohte.

Eine Landschaft von Erich Fuchs
Ein Leben zwischen Krankheit, Landschaft und Kunst

Erich Fuchs wurde 1890 in Magdeburg als achtes Kind eines Tischlermeisters geboren. Im Alter von zwei Jahren erkrankte er an Kinderlähmung, deren Folgen ihn sein Leben lang beim Gehen beeinträchtigten. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er dank der Unterstützung seines alten Lehrers bei Alois Kolb an der Kunstakademie in Leipzig. Nach dem Tod seiner Eltern entschied er sich im Jahr des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs, nach Bärnsdorf (Gruszków) überzusiedeln, einem Dorf am Fuß des Landeshuter Kamms im östlichen Teil des Hirschberger Tals. Die täglichen Wanderungen durch die Berge wurden für ihn zu einer Form der Genesung und bald zu einer Inspirationsquelle. Mit einem Skizzenbuch in der Hand hielt er fest, was er sah: Weber, Bauern, Holzfäller, Bergdörfer, Wege, Höfe und die charakteristischen Lichtstimmungen des Gebirges.

Die schwierige materielle Lage zwang ihn jedoch nach einigen Jahren zu weiteren Umzügen: zunächst nach Albendorf (Okrzeszyn), dann nach Dittersbach (Ogorzelec), später nach Giersdorf (Podgórzyn) und schließlich nach Hain (Przesieka) im Riesengebirge, wo er sich sein Traumhaus baute. Dort blieb er bis zur Vertreibung 1948. Anschließend siedelte er nach Marburg über, wo er bis zu seinem Tod 1983 lebte.

Fuchs war Mitglied der Künstlervereinigung St. Lukas, die 1922 in Oberschreiberhau gegründet wurde. Er veröffentlichte seine Arbeiten regelmäßig in der Zeitschrift Der Wanderer im Riesengebirge. Sein Werk umfasst über 7.000 Arbeiten – Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde und Grafiken. Besonders bekannt sind die Zyklen „Schlesisches Volk“ und „Schlesische Weber“, die heute als Schlüsselwerke der regionalen Heimatkunst gelten. 1973 wurde ihm der Kulturpreis Schlesien verliehen.

Sein künstlerischer Nachlass befindet sich heute im Besitz seiner Enkelin Renate Baumgärtner, die zahlreiche Arbeiten ihres Großvaters bewahrt und zugänglich macht. Weitere Werke befinden sich in Polen im Ossolineum in Breslau, im Nationalmuseum Breslau sowie im Riesengebirgsmuseum in Hirschberg.

Tadeusz Boron (rechs) und Dietrich Kowalski. Foto Iza Liwacz

Eine der Ausstellungen, die in den vergangenen Jahren dem Maler gewidmet waren, wurde im Gerhart‑Hauptmann‑Haus in Agnetendorf (Jagniątków) gezeigt. Bis Mitte Februar 2024 war dort die Schau „50 Gesichter von Fuchs“ zu sehen, die im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals präsentiert wurde. Aktuell werden seine Arbeiten im Jugendkulturzentrum Rabryka in Görlitz gezeigt

Bärnsdorf – ein Ort, der Fuchs prägte und von ihm geprägt wurde

Das hochgelegene Gebirgsdorf Bärnsdorf unweit von Schmiedeberg (heute Kowary) im Landeshuter Kamm wurde für Fuchs zum Lebensmittelpunkt. Hier beobachtete er das dörfliche Leben, hier entstanden seine bedeutendsten Arbeiten. Heute ist Gruszków ein ruhiger Ort – ein idealer Ausgangspunkt nicht nur für Wanderungen im Landeshuter Kamm, sondern auch, um Fuchs’ Welt nachzuspüren.

Dass der Name Fuchs heute wieder präsent ist, verdankt das Dorf vor allem Tadeusz Boroń, einem Zugezogenen. Als Boroń ein altes Haus in Gruszków erwarb, begann er, die Geschichte des Dorfes zu erforschen. Er stieß dabei auf das Leben und Werk des Künstlers. Er sammelte Dokumente, Karten, Reproduktionen und Berichte über Fuchs’ Wanderungen und künstlerische Arbeit. Aus dieser Leidenschaft entstand die Idee eines Wanderweges, der die wichtigsten künstlerisch geprägten Orte im Riesengebirge verbindet. Boroń suchte Partner, um den Maler bekannter zu machen und auf das kulturelle Erbe des Hirschberger Tals aufmerksam zu machen. Für seine “Idee fixe” gewann er die “Seniorenbotschafter für eine nachhaltige Entwicklung der Region” des Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal. Dank engagierter Menschen wie Dietrich Kowalski oder Fred Hofmann aus Deutschland konnte das Projekt Gestalt annehmen.

Der Schlesische Künstlerweg

Tadeusz Boroń wandte sich mit seinem Konzept an den örtlichen Tourismusverband, der für die Markierung der Wanderwege in der Region verantwortlich ist. Gemeinsam wurde ein neun Kilometer langer Abschnitt ausgewiesen, der mit dem gelb markierten Wanderweg auf dem Landeshuter Kamm verläuft.

So entstand der Schlesische Künstlerweg – ein Pfad, der vom „Schweizerhaus“ über Fischbach (Karpniki) und Bärnsdorf (Gruszków) bis zur Kreuzung unterhalb der Freien Koppe (Mała Ostra) führt. Die geplanten Tafeln, die den historischen und künstlerischen Kontext erläutern sollen, stehen jedoch noch aus.

Text und Bilder: Izabela Liwacz