Deutsches Kulturerbe in Breslau oder: Der Gabeljürge kehrt zurück!

Dr. Tomasz Sielicki spricht  in Görlitz über den Breslauer Neptunbrunnen und aktuelle Diskurs über das deutsche Kulturerbe der Odermetropole

Der Vortrag findet im Schlesischen Museum im Begleitprogramm zu „Zeichen der Zeit“ statt.

Der Historiker Dr. Tomasz Sielicki aus Breslau (Wrocław) berichtet am 7. Mai im Schlesischen Museum zu Görlitz über eine – seine! – Entdeckung, die in Breslau große Diskussionen zum Umgang mit dem deutschen Kulturerbe auslöste.

Der Breslauer Neumarkt mit Neptunbrunnen auf einer alten Postkarte aus der Sammlung von Małgorzata Urlich-Kornacka, Fot. SILESIA News

Über zwei Jahrhunderte lang gehörte der Neptunbrunnen zu den Wahrzeichen der niederschlesischen Metropole Breslau. Bis vor kurzem glaubte man allgemein, dass die berühmte und im Volksmund „Gabeljürge“ genannte Brunnenfigur, die seit 1732 auf dem Neumarkt (Plac Nowy Targ) stand, im Jahr 1945 zerstört wurde. Es stellte sich jedoch heraus, dass das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Denkmal eine Kopie aus dem 19. Jahrhundert war, während das ursprüngliche Barockwerk einige Dutzend Kilometer außerhalb von Breslau gelandet war.

Der Breslauer Neumarkt mit Neptunbrunnen auf einer alten Postkarte aus der Sammlung von Małgorzata Urlich-Kornacka, Foto. SILESIA News

Im Jahr 2022 entdeckte Dr. Tomasz Sielicki die vergessene Geschichte des Neptunbrunnens und die Spuren führten ihn zum Originalwerk aus dem 18. Jahrhundert nach Mittellangendorf (Wielowieś Średnia) bei Groß Wartenberg (Syców), etwa 60 km nordöstlich von Breslau. Die wiedergefundenen Fragmente sind bereits in Breslau Werden sie an ihren ursprünglichen Platz auf dem Neumarkt zurückkehren? In welcher Form? Wie reagiert die Stadtgesellschaft darauf? Dr. Tomasz Sielicki berichtet über seine überraschende Entdeckung, ihre Rezeption und Auswirkungen auf die Identitätsdiskurse der Stadtbewohner.

Teile des barocken Neptuns am Fundort in Mittellangendorf (Wielowieś Średnia) bei Groß Wartenberg (Syców) im Oktober 2022, Foto. privat

Dr. Tomasz Sielicki (Jg. 1985) ist Sprachwissenschaftler, Historiker, Geschichtsvermittler, Buchautor und Verleger mit dem Schwerpunkt Breslau. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Entwicklung der Stadtbebauung, insbesondere im öffentlichen Raum, des Stadtverkehrs und mit der Geschichte öffentlicher Transportmittel. 2022 promovierte er am Institut für Geschichte der Universität Breslau zur „Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in Breslau in den Jahren 1893-1945“.

Dr. Tomasz Sielicki, hier zusammen mit Joanna Kondratowicz von der Breslauer Denkmalschutzbehörde, am Fundort des barocken Originals des Neptunbrunnens im Oktober 2022, Foto. privat

Der Vortrag ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Zeichen der Zeit. Deutsche Inschriften in Schlesien, die im Schlesischen Museum zu Görlitz noch bis zum 13. September präsentiert wird. Das Projekt wird gefördert durch die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und die Erika Simon Stiftung.

Text: Redaktion SILESIA News