Neuerscheinungen des Forschungszentrums der Deutschen Minderheit in Oppeln/ Opole

„Die Deutsche Frage in Oberschlesien nach dem Zweiten Weltkrieg“ und „Der kommunistische Sicherheitsapparat und die deutsche Bevölkerung in Oberschlesien zwischen 1945 und 1990“

Thema ist das Schicksal der Deutschen in Oberschlesien nach 1945.

Die polnischsprachige Publikation, deren Titel übersetzt „Die Deutsche Frage in Oberschlesien nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1960)“ lautet, stellt eine Auswahl von Beiträgen dar, die Dr. Bernard Linek vom Schlesischen Institut Oppeln in den vergangenen 20 Jahren publizierte. Der Autor ist als herausragender Kenner der oberschlesischen Thematik bekannt, wobei die Politik des kommunistischen polnischen Staates gegenüber der einheimischen Bevölkerung der Region einen seiner wissenschaftlichen Schwerpunkte bildet. Im Vordergrund der Abhandlungen steht die breit verstandene „Entdeutschungsaktion“, die sich unter anderem in der Änderung von Vor- und Nachnamen der bisherigen Reichsbürger und der Entfernung jeglicher optischen Spuren der deutschen Vergangenheit äußerte. Ein Augenmerk widmet Bernard Linek aber auch dem Schicksal des deutschen kulturellen Erbes in Oberschlesien, den kommunistischen Eliten in den beiden oberschlesischen Wojewodschaften und den wichtigsten Prinzipien der Nationalitätenpolitik auf zentraler und regionaler Ebene. Interessant ist ferner die Auseinandersetzung mit dem Mythos der sogenannten „wiedergewonnenen Gebiete“, wie die nach 1945 an Polen angeschlossenen früheren deutschen Ostprovinzen manchmal auch heute noch bezeichnet werden.

Mitarbeiter des Schlesischen Instituts in Oppeln ist auch Dr. Zbigniew Bereszyński, der Autor der zweitgenannten Veröffentlichung. Wie der Titel schon verrät, stehen die Aktivitäten und Strategien des polnisch-kommunistischen Sicherheitsapparats gegenüber den Deutschen in Oberschlesien im Fokus der Veröffentlichung. In seiner Publikation beleuchtet Zbigniew Bereszyński ein oft unbeachtetes Phänomen, nämlich die prodeutschen Sympathien, die trotz Schikanen bei verschiedenen Anlässen von der oberschlesischen Bevölkerung manifestiert wurden. Interessanterweise ließen sie sich nicht nur unter jenen Einwohnern der Region beobachten, die sich eindeutig als Deutsche bezeichneten, sondern auch bei vielen Oberschlesiern ohne eine herauskristallisierte nationale Identität. Die Bekämpfung der deutschen Gesinnung und der prodeutschen Haltungen gehörte zu den wichtigen Aufgaben des Sicherheitsapparats in den Wojewodschaften Oppeln und Kattowitz/Katowice. In seinem Band analysiert der Autor fast ein halbes Jahrhundert der oberschlesischen Geschichte. Eine besondere Berücksichtigung finden darin allerdings die 1980er Jahre, in denen es nach der Solidarność-Revolution von 1980–1981 zu einer gewissen Liberalisierung kam. Beide Publikationen sind unter der Email-Adresse des Forschungszentrums der Deutschen Minderheit biuro@fzentrum.pl zu bestellen.

Bernard Linek, „Kwestia niemiecka na powojennym Górnym Śląsku (1945–1960). Wybór artykułów” [Die Deutsche Frage in Oberschlesien nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1960), Auswahl von Beiträgen]. Sprache: Polnisch.

Zbigniew Bereszyński pt. „Der kommunistische Sicherheitsapparat und die deutsche Bevölkerung in Oberschlesien zwischen 1945 und 1990“, Sprache: Deutsch, Übersetzung: David Skrabania.

Text: Dawid Smolorz