Das Kultgetränk aus Tschechisch-Schlesien

Troppau (Opava) und Jägerndorf (Krnov) sind die Heimatstädte von Kofola

So wie die Knödel unangefochten das Symbol der tschechischen Kulinarik sind, so ist Kofola ihr Pendant im Bereich der Softdrinks.

Darüber, welche Idee hinter der Entwicklung dieses Erfrischungsgetränks stand, gibt es heute verschiedene Meinungen. Stark verbreitet ist die Ansicht, dass in den späten 1950er Jahren von höchsten staatlichen Stellen der Auftrag gekommen sein soll, ein tschechoslowakisches Getränk zu entwickeln, das ein Ersatz für Coca-Cola und Pepsi wäre. Die süßlichen Erfindungen der „amerikanischen Kapitalisten“ waren wohlgemerkt bis in die 1980er Jahre auf dem lokalen Markt entweder nicht erhältlich oder unverhältnismäßig teuer. Plausibel klingt aber auch die Erklärung, dass Kofola eigentlich als Nebenprodukt der Kaffeeröstung entwickelt worden sei, um den Überschuss an Koffein, der bei diesem Verfahren entsteht, zu verwenden.

In den 1970er Jahren betrug die Jahresproduktion des Softdrinks aus Tschechisch-Schlesien 180 Millionen Liter. In der sozialistischen Tschechoslowakei wurde Kofola beinahe zu einem Nationalgut, zu einem Getränk, das unter Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen beliebt war. Die Einführung der freien Marktwirtschaft in den frühen 1990er und die uneingeschränkte Expansion der westlichen Colas brachten Kofola um die Monopolstellung auf dem tschechischen und dem slowakischen Markt. Nach zehn mageren Jahren, in denen die Marke mehrmals ihre Besitzer wechselte, erlebte sie 2000 ihr großes Comeback.

Kofola am Fließband im Jägerndorfer Werk. Quelle: www.kofola.cz.

Seit dem Beginn des neuen Jahrhunderts wird das Kultgetränk in dem direkt an der Grenze zu Polen gelegenen schlesischen Jägerndorf (Krnov) hergestellt. Mit einem Marktanteil von ca. 28% ist das Unternehmen nun die Nummer Zwei der Softdrink-Branche in Tschechien (Platz Eins belegt die Coca-Cola Company). Seit 2002 ist die von der tschechisch-griechischen Familie Samaras geleitete Firma „Santa nápoje“ der Eigentümer der Marke Kofola. Neben der Tschechischen und der Slowakischen Republik ist das Erfrischungsgetränk unter anderem auch in Polen, Ungarn, Österreich und Kroatien erhältlich. Die Kunden in Tschechien und der Slowakei können außer der klassischen Variante mittlerweile auch einige weitere Arten von Kofola genießen – zum Beispiel mit Zitronen-, Kirsch- oder Melonengeschmack.

Kofola in verschiedenen Geschmacksvarianten. Quelle: Grzedxxx, Wikimedia Commons.

Text: Dawid Smolorz