Breslau auf alten Postkarten

Neue Publikation des Breslauer Neptun-Verlags präsentiert Straßen und Plätze des Vorkriegsbreslaus

Alte Postkarten sind dabei ein unerschöpflicher Schatz an Motiven aus dem „ungewöhnlichen Alltag“.

Die Premiere des Buches „Ulice i place Wrocławia“ (Straßen und Plätze Breslaus) von Mariusz Kotkowski fand am 3. Oktober 2025 im kleinen Lokal Breslauer auf dem Ring (Marktplatz) statt. Um die Zeitreise auch mit anderen Sinnen zu ermöglichen, hat man für die Gäste der Buchpremiere Kleinigkeiten aus dem Vorkriegsmenü: u.a. Heringshäckerle, Würstchen und das lokale Bier sowie eine kleine Musiküberraschung von Damian Kowaliński, einem Musiker und Stadtführer, vorbereitet.

Das Gespräch mit dem Autor des Buches führte die Journalistin und Krimiautorin Nadia Szagdaj, die selbst eine Reihe der Bücher geschrieben hat, derer Handlung im Breslau der Vorkriegszeit spielt. Ihre Heldin Klara Schulz ist eine Detektivin, die zusammen mit ihrem Vater, dem ehemaligen Polizisten, ein privates Detektivbüro führt (auf Deutsch ist nur ein Buch von Nadia Szagdaj erschienen: „Die letzte Arie“).

Der Verlag Wrocławski Neptun (Breslauer Neptun) wurde von drei Personen gegründet: Antoni Arsłanowow, Mariusz Kotkowski und Dr. Tomasz Sielicki. Sie sind Historiker, Heimatforscher und Sammler. Wie sie selbst zugegeben haben, hat sie das Hobby verbunden. Jeder von ihnen hat etwas gesammelt (die größte Sammlung der Postkarten – einige Tausend – besitzt die Familie Arsłanowow) und an einem Tag haben sie entschieden, nicht mehr nur für sich zu sammeln, sondern die Sammlungen den Breslauern zu zeigen. Damit sie sehen und fühlen können, wie ihre Stadt früher war. Und so entstanden einzelne Bücher, die thematisch aufgeteilt wurden: es gibt ein Buch über die Breslauer Straßenbahnen, über die Brauereien, über die Oder und das neue Buch über die Straßen und Plätze.

Für den Hauptpatron des Verlags wurde der Breslauer Neptun („Gabeljürge“) ausgewählt. Einerseits, weil er ein Wahrzeichen von Breslau war, andererseits, weil seine Figur vor kurzem von Dr. Tomasz Sielicki wiedergefunden wurde und vielleicht zum Wahrzeichen der heutigen und zukünftigen Stadt wird

„Die Themen unserer Publikationen haben für uns die Herausgeber der Postkarten formuliert“ – sagt Mariusz Kotkowski. „Breslau hat so reiche und interessante Sammlungen, dass man zu jedem Thema ein Buch veröffentlichen könnte. Wir können uns ein beliebiges Thema ausdenken und es dank den Postkarten realisieren“ – sagt er. „In der Zeit der Medien, des Internets und der künstlichen Intelligenz, kann ein Buch als etwas Archaisches vorkommen. Wir hoffen aber, dass das Buch als Kulturgut weiter gebraucht wird. Wir möchten diese Tradition fortsetzen. Wir möchten unseren Beitrag zu der Geschichte der Stadt leisten“ – so Mariusz Kotkowski.

Die gute Qualität der Postkarten hat dem Autor erlaubt, ganz viele Details zu entziffern. Man kann jede Postkarte vergrößern und daraus tolle Informationen gewinnen. Man kann den ungewöhnlichen Alltag der damaligen Zeit kurz festhalten und für einen Moment die Stadt hören, sehen und riechen. „Damals war die Stadt anders. Ob schöner, kann man aber nicht sagen, denn es ist Geschmackssache. Für mich war das Leben anders – nicht so hektisch. Vor allem die Stimmung war anders: die Kleider, die Schaufenster und Gegenstände – für mich sind die Postkarten einfach magisch. Dank ihnen ist eine Zeitreise möglich. Und deshalb bemühe ich mich, möglichst viele Einzelheiten bei den Beschreibungen hervorzuheben. Ich möchte den Leuten sichtbar machen, was auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Als Historiker nutze ich verschiede Quellen, u.a. Adressbücher oder Zeitungen aus der Universitätsbibliothek – der Besuch in der Bibliothek war für mich immer etwas Besonders. Es ist so wie bei der Archäologie: nur die Entdeckungen sind anders“ – lacht Mariusz Kotkowski.

Die Pläne des Verlags für die Zukunft sind ehrgeizig. Das neue Buch: „Mój dawny Wrocław“ (Mein altes Breslau) von Łukasz Stelmach, das im Dezember dieses Jahres erscheinen soll, wird die alten Postkarten und das heutige Wrocław vergleichen: alte Postkarten und aktuelle Fotos, die genau an derselben Stelle gemacht wurden. Die Texte werden in drei Sprachen verfasst: Polnisch, Englisch und Deutsch. Geplant sind auch Alben mit Nachkriegsfotos.

Text und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka