Die Ausstellung „Versöhnung für Europa” in Breslau zu sehen

„Versöhnung für Europa” ist eine einzigartige Ausstellung, die einem der wichtigsten Dokumente in der Nachkriegsgeschichte Europas gewidmet ist

Im Zentrum steht die Botschaft der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Mitbrüder aus dem Jahr 1965.

Die im Erzdiözesanmuseum in Breslau (Wroclaw) seit November 2025 präsentierte Ausstellung „Versöhnung für Europa” entstand als ein Teil der Feierlichkeiten zum Versöhnungsjahr 2025. Drei wichtige Jahrestage standen im Zentrum: der 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs, der 60. Jahrestag der Veröffentlichung der Botschaft der polnischen Bischöfe und der 45. Jahrestag der Gründung der Gewerkschaft „Solidarność”.

Am 18.11.2025 wurde das 60. Jubiläum der Botschaft der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Brüder gefeiert.

Die Besichtigung der Ausstellung beginnt mit der Einführung in den historischen Kontext: der Darstellung der zwei totalitären Systeme, die zum Zweiten Weltkrieg führten. Die deutsche Besatzung symbolisiert auf der Ausstellung eine Glocke, die aus den polnischen Gebieten geraubt wurde und „zu den Kriegszwecken“ verschmolzen sein sollte. Glücklicherweise überdauerte die Glocke in Deutschland und kehrte im 21. Jahrhundert nach Polen zurück. Sie wird vor einer Tafel präsentiert, auf der die Zahlen der ermordeten Geistlichen in den einzelnen Gemeinden Polens gezeigt wurden. Insgesamt war das 20% aller Geistlichen, die das Leben verloren haben. In diesem Zusammenhang wird sichtbar, wie bedeutend die Geste der Botschaft der polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe war.

Die sowjetische Besatzung wird durch einen von den Schießkugeln beschädigten Messekelch gezeigt, der den Elisabethschwestern aus Neisse gehörte. Die Schwestern haben wie die anderen deutschen Frauen das tragische Schicksal miterlebt – sie wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs von den russischen Soldaten vergewaltigt oder ermordet.

Der von den Sowjets beschädigte Kelch der Elisabethschwester aus Neiße.

Die Konsequenzen des Zweiten Weltkrieges war die Grenzverschiebung und Vertreibung: die polnische Bevölkerung musste die von den Sowjets besetzten Ostgebiete verlassen, die deutsche Bevölkerung wurde dagegen aus den West- und Nordgebieten Polens vertrieben. Viele von den deutschen Vertriebenen fühlten sich als Opfer und nicht als Täter des Weltkrieges (sie mussten ihre Häuser verlassen), wollten aber den historischen Hintergrund und Ursachen dieser Situation nicht akzeptieren. Deshalb war das Thema der Grenzverschiebung lange Zeit ein heikles Thema in der deutsch-polnischen Geschichte.

In der Ausstellung werden auch Schicksale der drei Städte gezeigt, aus denen die Dokumente präsentiert werden: der Warschauer Dom, der total zerstört war, der Breslauer Dom, der zu 90% zerstört wurde (es wurde lange überlegt, ob man ihn doch nicht abtragen soll) und der Kölner Dom, der beschädigt, glücklicherweise aber die Bombardierung überstanden hat.

Das erste Mal gezeigte Dokument vom Papst Paul VI.: Verfassung Episcoporum Poloniae coetus vom 28. Juni 1972.

Das größte Problem nach dem Zweiten Weltkrieg war die Einführung der polnischen katholischen Verwaltung auf den „wiedergewonnenen Gebieten“, die vom Vatikan und vom dem polnischen kommunistischen Staat nicht anerkannt wurde. Hier legten der Kardinal August Hlond, Primas Stefan Wyszyński und Bolesław Kominek einen bedeutenden Grundstein dazu. Eine Reihe von persönlichen Andenken sind in der Ausstellung zu sehen (u. a. Kardinalstab vom deutschen Kardinal Georg Kopp, der nach dem Zweiten Weltkrieg vom Kardinal Kominek benutzt wurde). Auf der Ausstellung wurde zum ersten Mal die Bulla von dem Papst Paul VI. gezeigt, in der die polnische Administration auf den Westgebieten bestätigt wurde.

Die Glocke, die glücklicherweise nicht verschmolzen wurde.

Ein Teil der Ausstellung widmet sich dem Leben des Erzbischofs und des späteren Kardinals Bolesław Kominek, der die deutsche Schule in Schlesien besuchte, in einer polnischen Familie aber aufgewachsen ist. Er konnte deshalb später den berühmten Brief in deutscher Sprache verfassen. Für ihn waren Edith Stein und Maximilian Kolbe richtige Brückenbauer zwischen Deutschland und Polen, deshalb kann man hier Anknüpfungen an die beiden Heilige sehen (u. a. ein Tagebuch von der Nichte von Edith Stein mit der originalen Eintragung der Tante).

Einen wichtigen Punkt in der kirchlichen Geschichte bildete das Zweite Vatikanische Konzil, auf dem sich Prieser und Bischöfe aus der ganzen Welt trafen. Nach jedem Treffen schenkte der Primas von Polen Stefan Wyszyński jedem Anwesenden ein kleines Geschenk, damit er an das 1000-jährige Jubiläum von Taufe Polens im Gedächtnis hat und in eigenem Land für Polen betet. Einmal waren es Rosenkränze, das andere Mal die Bilder der Tschenstochauer Madonna, das dritte Mal die Hostien. So eine einmalige Hostie kann man in der Ausstellung sehen. Im Jahre 1965 haben die Bischöfe Briefe an alle Episkopate in der ganzen Welt verfasst und geschickt. Die Botschaft an die deutschen Mitbrüder war besonders, weil sie einen wichtigen Satz beinhaltet hat: „Wir vergeben und bitten um Vergebung“ (im Original: „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung”).

Das originale Dokument der Botschaft wurde aus Köln ausgeliehen, auch die Antwort darauf, das in der polnischen Sprache verfasst wurde (wahrscheinlich war der Übersetzer der polnische Bischof Jerzy Stropa) befindet sich auf der Ausstellung. Die Botschaft hat dem kommunistischen Staat Anlass gegeben, stark gegen die Kirche aufzutreten und die Feierlichkeiten des Jubiläums zu übernehmen. In diesem Zusammenhang scheint es ein Witz zu sein, dass der kommunistische atheistische Staat das 1000-jährige Jubiläum von der Christianisierung Polens so groß und spektakulär feierte…

Die Ausstellung ist klein, bildet aber eine Reise durch die komplizierte und komplexe deutsch-polnische Geschichte. Die Ausstellung wurde am 18.11.2025 im Erzdiözesanmuseum in Breslau (Wroclaw) eröffnet und wird bis Ende des Jahres 2026 präsentiert.

Text und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka