Bunzlau/ Bolesławiec: Das Keramikmuseum zieht in das Pückler-Schloss um

Der neue Sitz des Museums wird umfassend saniert – 20 Mio. Złoty fließen in das Projekt

Die Visualisierung der geplanten Umsetzung sieht vielversprechend aus.

Die Keramikkunst ist das Aushängeschild von Bunzlau/ Bolesławiec. Im Keramikmuseum werden die Geschichte dieses Handwerks, seine Bedeutung für die Stadt sowie das moderne Design in der Keramik präsentiert. Die Objekte des Museums werden bald in ein neues, repräsentatives Gebäude umziehen, in das Pückler-Schloss, das jedoch erst gründlich saniert werden muss.

Die Ausschreibung für das Projekt des neuen Sitzes hat das Architekturbüro TOYA Design aus Posen/ Poznań gewonnen. Kürzlich wurden ihre Visualisierungen für die Gestaltung des Außen- und Innenbereichs des Museums am neuen Ort im Internet veröffentlicht.

Das Keramikmuseum in Bunzlau ist eine Institution mit einer mehr hundertjährigen Tradition. Es wurde als Stadtmuseum gegründet, das die Traditionen der Stadt und der Region präsentiert – natürlich mit der Keramik an erster Stelle. Die Institution ist seit über 50 Jahren als Keramikmuseum tätig und belegt im Moment zwei Standorte im Stadtzentrum: das eigentliche Keramikmuseum und eine Abteilung für die Stadtgeschichte. Bald werden Ausstellungen von beiden Standorten in einem neuen Gebäude in überarbeiteter Form als eine Ausstellung präsentiert.

Das denkmalgeschützte Pückler-Schloss befindet sich an der ul. Zgorzelecka, hat eine Grundfläche von über 2.000 Quadratmetern und ist aufgrund seiner Größe ein hervorragender Ort, um die beeindruckende Sammlung zu präsentieren und gleichzeitig ihre Weiterentwicklung und bestmögliche Vermittlung zu ermöglichen. 1999 hat der Landkreis Bolesławiec das Gebäude in einem sehr schlechten Zustand übernommen. 2018 wurde es für rd. 2,5 Mio. Złoty an die Stadtgemeinde Bolesławiec verkauft, die hier einen neuen Sitz des Keramikmuseums vorgesehen hat.

Die Finanzierung
Die Sanierung des Gebäudes und seine Ertüchtigung als Museum wird auf ca. 20 Mio. Złoty (ca. 4,5 Mio. Euro) geschätzt und zu 75 Prozent mit europäischen Fördermitteln im Rahmen des Projektes “Polen und Norwegen auf der Europäischen Keramikstraße: Aufnahme von Bolesławiec und Porsgrunn in das internationale Kooperationsnetzwerk der Städte mit Keramiktraditionen” finanziert. Das Projekt wird in Partnerschaft mit dem Telemark-Museum in Skien, Norwegen, durchgeführt. Das Ziel des Projekts, das in Zusammenarbeit zwischen der Stadtgemeinde Bolesławiec, dem Telemark-Museum und dem Keramikmuseum in Bolesławiec vorbereitet wurde, ist es, zwei berühmte Keramikzentren – das polnische Bolesławiec und das norwegische Porsgrunn – in eine der zertifizierten europäischen Kulturrouten – Europäische Route der Keramik – einzubeziehen. 

Das Projekt
Das Projekt von TOVA Design sieht nicht nur die Revitalisierung des historischen Baus und die Wiederherstellung seines früheren Glanzes vor, sondern führt auch funktionale Lösungen ein, die ihn zu einem modernen, geräumigen und besucherfreundlichen Ausstellungsort machen. Ein neues Treppenhaus wird das Erdgeschoss und die Ausstellungsetage mit dem Dachgeschoss verbinden. Das Gebäude erhält außerdem Konferenz- und Workshop-Räume und einen Souvenirshop. Ein schöner Innenhof mit Garten wird zu einem Ort für Treffen und Veranstaltungen. Nach dem Vorbild des jetzigen Museumsgebäudes soll hier auch ein Garten mit Lapidarium entstehen. Den Besuchern wird ein großer Parkplatz zur Verfügung stehen.

Ausstellung
Das Büro TOYA Design hat auch die Innenraumgestaltung, das räumliche Arrangements der Ausstellung und das neue Logo des Keramikmuseums entworfen. In der gestalteten Dauerausstellung sind die Objekte hinter Glas platziert, das mit einem Farbverlauf mit transparenten Fensterrahmen bedeckt ist. In jedem der vier Ausstellungsräume wird ein anderes Element die Erzählung leiten, aber alle sind nach dem gleichen Prinzip geplant, mit einem verkleinerten grafischen Motiv, das den historischen Kontext der präsentierten Exponate widerspiegelt.

Neues, modernes Logo symbolisiert die Weltoffenheit
Das Hauptelement des neuen Logos ist ein Signet, dessen grafisches Motiv sich auf den ersten Blick erschließt. Es ist der Stempel als Symbol für die charakteristische Maltechnik bei der Bunzlauer Keramik. Die dynamische und bewusst “periphere” Platzierung des “Stempels” im Kobaltkreis wiederum soll, so die Designer, die Aufmerksamkeit des Rezipienten von lokalen zu globalen Werten führen. Das bedeutet, dass das Museum über die Präsentation regionaler Werte hinausgeht und seine Forschungs- und Vermittlungsarbeit in einen breiten Kontext des europäischen Kulturerbes stellt.

Das neue Keramikmuseum soll zu einem Ort der Kunst, Kultur und Bildung werden, an dem ein breit gefächertes Angebot – Ausstellungen, Workshops, Museumsunterricht, künstlerische Aktivitäten, Vorträge, Handarbeitsunterricht für Menschen mit Behinderungen im Gestalten und Verzieren von Keramik, Workshops für Kinder und Jugendliche etc. – realisiert wird. Als übergeordnetes Ziel wird die Stärkung der Identität der Stadtbewohner, des Zugehörigkeitsgefühls zur lokalen Gemeinschaft, die Sensibilisierung für keramische Traditionen der Region und die Förderung des europäischen Kulturerbe-Gedankens. Die Sanierung soll bis Ende 2023 abgeschlossen sein.

Das Pückler-Schloss
Das klassizistische Schloss des Grafen Eduard Maximilian Ferdinand Erdmann von Pückler (1795-1870) entstand durch einen 1857 durchgeführten Umbau einer früheren Anlage. Der dreiflügelige Bau mit U-förmigem Grundriss und einem dominanten, mit einer Zinne bekrönten Turm erhielt einen einheitlichen neugotischen Stil. Am Schloss befand sich ein großer Park im englischen Stil mit einem kleinen Teich, einer Brücke und einem neugotischen Pavillon. In den 1870er Jahren kam das Schloss in den Besitz des Grafen Hatzfeld, dann wurde es von Samuel Woller, dem Besitzer der Textilfabrik “Concordia”, gekauft. Im Jahre 1920 hat der Magistrat der Stadt Bunzlau das Schloss gekauft und für die Bedürfnisse eines Jugendheims umgebaut. Es beherbergte auch die Städtische Lesehalle und Volksbibliothek. In den Jahren 1927-1928 wurden die Bibliothek und der Lesesaal nach dem Entwurf von Artur Hennig, dem Dozenten an der Staatlichen Keramischen Fachschule in Bunzlau, umgebaut. In den 1930er Jahren beherbergte das Gebäude eine Sportschule, nach einem weiteren Umbau 1936 wurde dort eine Schule für Kommandeure des Reichsarbeitsdienstes (RAD) eröffnet. Ab 1942 diente das Gebäude auch als Lazarett. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Gebäude u. a. der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Bolesławiec und 1986-2019 dem vom Landkreis getragenen Komplex der Förderschulen und Sondereinrichtungen.

Text: Agnieszka Bormann
Quellen: UM Bolesławiec, Architektura & Biznes 
Visualisierungen: TOYA Design