Impressionen von den Begegnungen mit Kunstschaffenden in der polnischen Oberlausitz

Nachhaltiges Design, Skulptur, Malerei – Begegnung mit Daria Wartalska, Reiner Maria Matysik (Grabiszyce) und Maugosia Sycz (Sławnikowice)

Die zweite Exkursion zu dem Thema findet am 10. September 2022 statt.

Am 16. Juli 2022 führte eine Exkursion im Rahmen des Programms „SATELLITEN – Begegnungen mit zeitgenössischer Kunst in Schlesien“ in die ländliche Region östlich von Görlitz-Zgorzelec.

Vor fünf Jahren ist das Künstlerpaar Daria Wartalska und Reiner Maria Matysik von Berlin nach Grabiszyce (Gerlachsheim) gezogen. Sie sanierten ein altes, idyllisch gelegenes Haus, die frühere Kirchmühle und Bäckerei, und haben hier ihre Ateliers eingerichtet. Sie beschäftigt sich mit nachhaltigem Design in Glas, Keramik und Porzellan, er ist Bildhauer und auch in der Lehre tätig.

In Daria Wartalskas Werkstatt konnten wir ihr Konzept und die praktische Umsetzung des kalten Glasrecyclings kennenlernen. Das ist ihr wichtigstes Thema, seitdem sie das Problem erkannt hat, dass das Recycling von Glas (Einschmelzen) die gleiche Menge an Energie wie die Neuproduktion erfordert. Dieses Problem wurde zur Grundlage von Wartalskas Masterarbeit, in der sie ein komplettes Gebrauchsgeschirr aus Einwegflaschen mit minimalem Energieaufwand entwarf.

So begann ihr Weg zum nachhaltigen Design, geprägt von ökologischer und sozialer Verantwortung. Daria Wartalska strebt an, Gegenstände so zu designen bzw. re-designen, dass die verwendeten Ressourcen bestmöglich im Kreislauf der Dinge leben können. Nach der Führung war es bei der Kaffeepause am rauschenden Bach ein besonderes Erlebnis, aus dem von Daria hergestellten Geschirr essen und trinken zu dürfen.

Anschließend hat uns Reiner Maria Matysik durch sein Atelier im Dachgeschoss des Hauses geführt und zu seiner Arbeit, einzelnen Themen und Objekten berichtet. Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung bestimmen auch sein künstlerisches Denken und Werk. Reiner Maria Matysik arbeitet nämlich in vielfältiger Weise mit Konzepten für (Mikro)Organismen und zukünftige Lebewesen.

Wesentliche Bestandteile von seinem künstlerischen Prozess sind die Herstellung von Prototyp-Modellen sowie anschließende Konzeptualisierung und textliche Interpretation – an der Schnittstelle zwischen der wissenschaftlichen Forschung und der pseudowissenschaftlichen Fiktion. Ein großes Diskussionspotenzial entfalteten seine post-evolutionären Lebensformen sowie die Frage, was macht uns Menschen zu Menschen, der er mit künstlerischen Mitteln nachspürt.

Mit vielen Anregungen und Fragen verließen wir das gastfreundliche Haus von Daria Wartalska und Reiner Maria Matysik und gingen durch das Dorf Grabiszyce in Richtung Izerski Dom (Iser-Haus), dem Haus mit einer kleinen Pension von Piotr Żujewski. Er hat uns sein phänomenales Umgebindehaus von innen und außen gezeigt und viel und leidenschaftlich über Umgebindehäuser im Allgemeinen und über seins im Einzelnen erzählt.

Piotr wurde 2020 als privater Investor bei der letzten Ausgabe des deutsch-polnischen Denkmalschutz-Wettbewerbs Zabytek – nie zapomnij / Denkmal – denk mal dran mit dem 1. Preis für die vorbildliche Sanierung seines Hauses ausgezeichnet (SILESIA News berichtete). Die diesjährige Ausschreibung des Wettbewerbs läuft noch bis 31. Juli 2022. Einzelheiten unter https://denkmaldran.eu/

Von Izerski Dom fuhren wir mit dem Bus nach Sławnikowice (Kieslingswalde), wo uns Maugosia Sycz in ihrem Schloss erwartete. Seit acht Jahren wohnt sie hier, arbeitet und stellt ihre Bilder in einer kleinen Galerie aus. Eigentlich ist aber das ganze Schloss ein großer Ausstellungsraum ihrer farbenfrohen Arbeiten.

Die in Oberschlesien geborene Malerin Maugosia Sycz lebte davor fast 40 Jahre in Holland. In Sławnikowice engagiert sie sich auch für die Sichtbarmachung der Geschichte ihres Ortes, der mit dem Namen Ehrenfried Walther von Tschirnhaus verbunden ist. Die Experimente dieses Naturforschers der Frühaufklärung führten zur Erfindung des europäischen Porzellans. Sein neben dem Schloss gelegenes Labor ist bis zu unserer Zeit nicht erhalten geblieben. Nur eine große Ruine, mit deren Besichtigung wir den Besuch bei Maugosia Sycz abschließen, erinnert an den großen Forscher und Denker (siehe SILESIA News Geschichtsträchtiger Ort wird zum Kunsttempel).

Die zweite Exkursion zum Thema „Kunstschaffende in der ländlichen Oberlausitz – Aufbruch und Nachhaltigkeit“ findet mit demselben Programm am 10. September 2022 statt. Anmeldung bei Senfkorn Reisen, Brüderstraße 13 in Görlitz, info@senfkornreisen.de, 03581 400520.

SATELLITEN ist ein Projekt des Kulturreferates am Schlesischen Museum zu Görlitz in Kooperation mit der polnischen Stiftung Dolnośląski Inkubator Sztuki. Es wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Mehr Informationen unter https://satelliten.eu.

Text: Agnieszka Bormann
Fotos: Jacek Jankowski