Bunzlauer Keramik in Schloss und Garten

Das neugotische Pückler-Schloss in Bunzlau/ Bolesławiec wird derzeit umfassend saniert

Hier entsteht der neue, repräsentative Sitz des Keramikmuseums.

Das Bunzlauer Keramikmuseum zieht bald in das Pückler-Schloss (SILESIA News berichtete). Das Gebäude samt Parkanlage wird gerade revitalisiert. Das gesamte Projekt soll zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt werden, die seit diesem Jahr neben dem italienischen Faenza und dem niederländischen Delft Teil der Europäischen Keramikstraße ist.
– Bunzlau entwickelt sein keramisches Potenzial – sagt Anna Bober-Tubaj, Direktorin des örtichen Keramikmuseums. In den letzten Jahren hat sich das Museum ebenso dynamisch entwickelt wie die Keramik, die für ihre jahrhundertealte Tradition bekannt ist.

Alte und neue Sammlungen

Allein in den letzten fünf Jahren ist die Zahl der in der Stadt und im Bezirk Bolesławiec tätigen Keramikbetriebe von 24 auf 34 gestiegen.
– Bunzlau war und ist eine Stadt der Keramik – sagt Anna Bober-Tubaj. – Unser Museum besitzt die europaewit größte Sammlung der Bunzlauer Keramik. In den letzten Jahren haben wir die Sammlung dynamisch erweitert, so dass sie jetzt über 10.000 Exponate umfasst, von denen wir viele Sammlern aus Polen und Deutschland verdanken.
Derzeit verfügt die Keramikabteilung des Bunzlauer Museums über etwa 400 m² Ausstellungsfläche, im neuen repräsentativen Gebäude werden es mehr als 2000 m² sein.

Das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Pückler-Schloss in der Zgorzelecka-Straße in Bolesławiec, in der ehemaligen Unteren Vorstadt, war seit vielen Jahren dem Verfall preisgegeben. In den Innenräumen sind intensive Abrissarbeiten im Gange, die voraussichtlich noch mehrere Monate dauern werden. Gleichzeitig wird an der Einrichtung der neuen Räumlichkeiten gearbeitet: Das Studio Toya Design hat unter anderem bereits Entwürfe für die Gestaltung der Ausstellungsräume erstellt (Bilder). Das Museum plant, die Besucher im Herbst 2023 am neuen Standort zu empfangen.

Die Stadt auf einer Europäischen Kulturroute

In diesem Jahr wurde Bolesławiec – zusammen mit dem norwegischen Porsgrunn – in eine Elitegruppe von Städten mit jahrhundertealten Töpfer- und Keramiktraditionen wie dem italienischen Faenza oder dem niederländischen Delft aufgenommen.

– Das Potenzial der Stadt ist erkannt worden. Wir haben bewiesen, dass unser Erbe für das gesamte europäische Erbe wichtig ist”, sagt Anna Bober-Tubaj. Die Präsenz der Stadt auf der 2012 vom Europarat zertifizierten Europäischen Straße der Keramik soll ein großer Impuls für die Entwicklung der Einrichtung sein, aber auch eine Chance für lokale Designer und Keramikarbeiten.

Dank eines gemeinsamen Projekts mit einem norwegischen Partner ist es der Stadtgemeinde Bolesławiec und dem Keramikmuseum gelungen, mehr als 15 Mio. PLN aus den sog. Norwegen-Mitteln für einen neuen repräsentativen Sitz zu erhalten, während sich die Gesamtkosten für die Renovierung des historischen Gebäudes auf ca. 23 Mio. PLN belaufen werden. Anna Bober-Tubaj kündigt auch die Wiederbelebung des Parks neben dem Schloss an. Er soll sich in einen Keramikgarten verwandeln, einen Ort für Begegnungen, Workshops und Erholung. Die gesamte Anlage sollte in ihrem historischen Glanz aus dem 19. Jahrhundert wieder erstrahlen. Der alte Baumbestand soll erhalten bleiben, eine Neupflanzung ist vorgesehen, und es gibt auch eine Idee, den ehemaligen Parkteich zu entwickeln. Es wird auch ein Gartenrestaurant geben.

Die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft

Das Keramikmuseum soll mit seinem neuen Sitz und seinem neuen Erscheinungsbild eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft der Stadt und der Bunzlauer Keramik bilden. Es wird sowohl Dauerausstellungen geben, die die Geschichte der Stadt und die Geschichte der Keramik zeigen, als auch Sonderausstellungen und Ausstellungen von Privatsammlungen, Keramikworkshops und Treffen mit Keramik- und Industriedesign-Künstlern aus Polen und Europa.

– Außerdem wollen wir den Zusammenhang zwischen der Geschichte der Stadt und ihrer Entwicklung, und der Geschichte und Entwicklung der Bunzlauer Keramik noch stärker betonen. Die stadtgeschichtliche Abteilung und die Keramikabteilung, die es in unserem Museum bereits gibt, werden sich gegenseitig durchdringen, sagt Anna Bober-Tubaj und fügt hinzu, dass es dem neuen Keramikmuseum und dem Keramikgarten sicherlich nicht an Attraktionen für Einwohner und Touristen mangeln wird.

Mobile App und Enzyklopädie

Das Museum beabsichtigt außerdem, seine Publikationstätigkeit auszubauen, seine Website zu erweitern und eine virtuelle Enzyklopädie der Bunzlauer Keramik zu erstellen, die Fotos, Aufnahmen, Filme und Interviews mit den Künstlern enthält. – Wir möchten auch eine koordinierende Rolle bei der Erstellung der Enzyklopädie von Bunzlau spielen”, sagt die Direktorin der Einrichtung. Eine weitere Idee ist ein Blog mit dem aussagekräftigen Titel “Bunzlauer Keramik erobert die Welt”, in dem Fotos und Informationen über im Ausland präsentierte Bunzlauer Keramik gesammelt werden sollen.

Das Museum plant auch die Einrichtung einer Keramikroute durch die Stadt, auf der die Standorte von Werkstätten, Verkaufsstellen, Museen und Galerien verzeichnet sein werden – ein Führer oder eine mobile App sowie eine spezielle Beschilderung werden dabei helfen, sie zu finden.

In den kommenden Jahren wird es auch internationale und interkulturelle Aktivitäten geben, wie eine Ausstellung mit Porzellan aus Porsgrunn in Bolesławiec oder Keramik aus Faenza, begleitet von Vorträgen, Workshops und kulturellen Veranstaltungen.

Die erste Veranstaltung, die bereits im Rahmen des Projekts “Polen und Norwegen auf der Europäischen Keramikstraße” organisiert wurde, ist die Ausstellung “Aus dem Bunzlauer Ton (Z bolesławieckiej gliny Z bolesławieckiej gliny – prezentacja współczesnych zakładów ceramicznych działających na terenie Ziemi Bolesławieckiej – Muzeum Ceramiki w Bolesławcu)”. Es handelt sich um eine Präsentation von 30 zeitgenössischen Keramikbetrieben aus dem Bunzlauer-Land.

– Die Künstler verwenden perfekt den lokalen Rohstoff Ton. Sie kreieren Muster, die überall auf der Welt erkennbar sind, die auf die schöne Tradition unserer Keramik verweisen, aber auch sehr vielfältig sind”, sagt Anna Bober-Tubaj.

Die Ausstellung kann bis Mitte Oktober im derzeitigen Sitz des Keramikmuseums in der Kutuzowa-Straße 14 in Bolesławiec besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Text: Marzena Żuchowicz, Dolnośląski Warsztat

Fotos unten: Das Pückler-Schloss in Bunzlau wird gerade saniert. Stand vom August 2021. Fot. Stadtverwaltung Bunzlau