Wambierzyce (Albendorf): Museum für die Kultur der Grenzregion im „Schlesischen Jerusalem” eröffnet

Das neue Museum ist nach Ignaz Reimann benannt, einem Komponisten für Sakralmusik

Ignaz Reimann (1820-1885) war eng mit der Region m Glatzer Land verbunden.

In Wambierzyce (Albendorf) im Glatzer Land wurde am 19. Dezember 2021 das Ignaz-Reimann-Museum für Kultur der Grenzregion offiziell eröffnet. Sein Standort ist nicht zufällig. Marek Kusiakiewicz, Direktor des Gemeindezentrums für Kultur, Sport und Tourismus (Gminne Centrum Kultury, Sportu i Turystyki) in Radków (Wünschelberg), erläuterte bei der Eröffnung das Konzept des Museums: „Dies wird eine Hommage der Bürger unserer Gemeinde an den in Wambierzyce (Albendorf) geborenen und in Krosnowice (Rengersdorf) verstorbenen Komponisten sein. Die Gemeindeverwaltung hat zu diesem Zweck einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem die Reimann-Gedenkstätte eingerichtet wird. Wir werden Gegenstände ausstellen, die für ihn wichtig waren. Die Exponate werden von Zeit zu Zeit ausgetauscht.

Reimann war ein bekannter Komponist kirchlicher Musik. Sein Werk umfasst Messen, Oratorien, Offertorien, Graduale, Vespern, Reqiuem, Märsche, Ouvertüren, Litaneien, Kantaten, Fronleichnamslieder und Werke für gemischte Chöre. Insgesamt komponierte er etwa 800 Stücke. Die berühmteste von ihnen ist die Christkindlmesse (die Pastoralmesse in C-Dur, op. 110, für Soli, Chor, Orchester und Orgel). Seine Werke werden nicht nur in Schlesien, sondern oft auch in Böhmen, Bayern und Österreich aufgeführt.

Reimann wurde in Breslau ausgebildet, aber fast sein gesamtes Erwachsenenleben verbrachte er in Rengersdorf (heute Krosnowice), im Tal der Glatzer Neisse. Dort war er als Lehrer und Dirigent eines Kirchenchors tätig. Später übernahm er das Amt des Schulleiters und Kantors. Reimann fand in Rengersdorf auch seine letzte Ruhestätte.

Reimann ist eine wichtige Persönlichkeit für die Geschichte und Kultur der Glatzer Region, die jahrhundertelang das schlesisch-böhmische Grenzgebiet war. Seit 2002 findet in Wambierzyce das Internationale Ignaz-Reimann-Festival statt, an dem Künstler aus Polen, der Tschechischen Republik, Deutschland und anderen Ländern teilnehmen. Das Museum wurde im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projekts eröffnet, das gemeinsam von Radków und dem benachbarten Teplice in der Tschechischen Republik durchgeführt wurde, deren Behörden eng zusammenarbeiten. Es sei daran erinnert, dass die Niederschlesische Regionalversammlung (Sejmik Województwa Dolnośląskiego) das Jahr 2021 zum Jahr des Komponisten Ignaz Reimann erklärt hat (SILESIA News berichtete).

Basilika in Wambierzyce mit dem Banner für das Reimann-Jahr Fot. M. Urlich-Kornacka.

Wambierzyce (Albendorf) ist vor allem für seine spektakuläre Barockbasilika und den Kalvarienberg bekannt, die auf Initiative von Daniel von Osterberg, dem Besitzer von Albendorf, errichtet wurden. Sie ist eine der größten in Europa. Dadurch ist Wambierzyce auch heute eine der wichtigsten Touristenattraktionen in Niederschlesien und ein bedeutender Pilgerort. Sebst die Namen der umliegenden Hügel und des Flusses, der durch den Ort fließt, beziehen sich auf die Topografie des Gebiets von Jerusalem. All dies führt dazu, dass der Ort nach wie vor als das „Schlesische Jerusalem” bezeichnet wird.

Text: Sławomir Szymański
Fotos: Marek Kusiakiewicz (wenn nicht anders angegeben)