Stahl, Glas und Kontroversen auf dem Glatzer Schneeberg/ Śnieżnik

Die Konstruktion des neuen Aussichtsturms auf dem Gipfel Schneebergs ist fertig

Das neue Bauwerk, an der Stelle des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Turms errichtet, sorgt für Kontroversen.

Der Aussichtsturm auf dem Glatzer Schneeberg wird an der Stelle des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Turms errichtet. Der Bau hat von Anfang an für Kontroversen über die architektonische Form des neuen Turms und den Naturschutz gesorgt.

Der Glatzer Schneeberg/ Śnieżnik ist ein besonderer Berg. Er liegt 1425 m über dem Meeresspiegel und ist der höchste Gipfel des polnischen Teils der Ostsudeten. Durch den Gipfel verläuft die polnisch-tschechische Grenze und auch die europäische Wasserscheide: Auf der polnischen Seite münden die Gewässer in die Ostsee, auf der tschechischen Seite in das Schwarze Meer.

Im Jahr 1871 wurde auf Initiative von Marianne von Oranien-Nassau auf der Alm unterhalb des Gipfels Schneebergs eine Berghütte gebaut (Schweizerei am Schneeberg). Als „Schronisko pod Śnieżnikiem“ dient sie den Touristen bis heute.

Auf Initiative des Gebirgsvereins der Grafschaft Glatz wurde 1895 mit dem Bau des Aussichtsturms auf dem Gipfel des Berges begonnen (Kaiser-Wilhelm-Turm). Er wurde 1899 eröffnet, hatte sechs Stockwerke und war 33,5 Meter hoch. Der Kaiser-Wilhelm-Turm sah aus wie die Türme einer mittelalterlichen Burg. Mit einer kleinen Bergbaude gehörte der Turm zu den größten Touristenattraktionen in der Region.

Hier können Sie den Kaiser-Wilhelm-Turm auf alten Fotos und Postkarten sehen.

Im Jahr 1973 wurde der alte Turm wegen seines schlechten technischen Zustands abgerissen. Übrig blieb ein den Touristen und Wanderern wohlbekannter riesiger Steinhaufen, der mit der Zeit zu einer Art Symbol für den Schneeberg-Gipfel wurde.

Moderne auf dem Gipfel
Der neue Turm soll 33 Meter hoch werden. In dieser Hinsicht wird er dem alten ähneln. Außerdem sollen für die Fassade des Erdgeschosses Steine aus dem alten Turm verwendet werden. Doch damit enden die architektonischen Ähnlichkeiten.

So soll der neue Turm auf dem Schneeberg aussehen. Die Visualisierung stammt aus der Seite der Stadt Stronie Śląskie www.stronie.pl

Jetzt wird es auf dem Berg modern. Der im Bau befindliche Turm wird auf einer Stahlkonstruktion basieren, die bereits fertiggestellt ist. Nächstes Jahr wird es eine Fassade erhalten, die größtenteils aus Glas bestehen wird.

Diese Form des Turms ist das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs, der 2012 von der Vereinigung der Schneeberg-Gemeinden ausgeschrieben wurde. Es gehören dazu: Bystrzyca Kłodzka /Habelschwerdt, Stronie Śląskie/Seitenberg und Międzylesie/ Mittelwalde. Der Hauptinvestor des Turms ist die Gemeinde Stronie Śląskie.

Die architektonische Gestaltung wurde jedoch von Anfang an stark kritisiert. Die Form des Turms wird oft mit einem Leuchtturm, Weltraumstation oder einem Stabmixer verglichen.

Was mit dem Verkehr auf der Kuppel

Schon die Idee, einen Turm auf dem Schneeberg zu bauen, war von Anfang an umstritten. Die Hauptsorge war, dass sowohl die Bauarbeiten als auch der zu erwartende Anstieg des Touristenverkehrs eine Bedrohung für die Bergnatur darstellen würden. Sowohl polnische als auch tschechische Umweltschützer haben dagegen protestiert. Schließlich sollte der touristische Verkehr zwischen der Hütte und dem Gipfel sowie auf der Gipfelkuppel selbst geregelt werden (was derzeit nicht der Fall ist).

Nun erhebt die tschechische Seite jedoch weitere Proteste gegen die Verletzung der Baubedingungen und die daraus resultierende Gefährdung der Umwelt. Der Haupteinwand betrifft die Anlieferung von Baumaterialien zum Gipfel mit schwerem Gerät anstelle des Transports ausschließlich aus der Luft (mit einem Hubschrauber). Das tschechische Umweltministerium hat sogar die Europäische Kommission gebeten, die Angelegenheit zu untersuchen. Der Investor behauptet, dass die Bauarbeiten im Einklang mit den Bedingungen und der Genehmigung durchgeführt werden.

Der Bau des Turms auf Schneeberg wird aus EU-Mitteln kofinanziert. Sie wird im Rahmen des Programms für grenzüberschreitende Zusammenarbeit INTERREG VA gebaut.

Die Gemeinden in Niederschlesien haben in den letzten Jahren sehr eifrig in den Bau von Aussichtstürmen investiert um damit neue Touristenattraktionen zu schaffen. Ein gutes Beispiel sind die modernen Konstruktionen auf dem Borowa-Berg in Bad Charlottenbrunn/ Jedlina-Zdrój, direkt neben Waldenburg/ Wałbrzych (eröffnet 2017) oder auf Sattelwald/ Trójgarb (2018), im Waldenburger Bergland. Andere Aussichtstürme wurden unter anderem auch in Profen/ Mściwojów bei Jauer/ Jawor oder in Friedland in Niederschlesien/ Mieroszów errichtet (beide 2015 eröffnet). In Bad Flinsberg/ Świeradów-Zdrój wurde in diesem Jahr mit dem Skywalk der höchste Aussichtsturm Polens eingeweiht, allerdings wurde dieses Bauwerk von einem privaten Investor errichtet, und der Zugang zur Spitze ist kostenpflichtig.

Text: Sławomir Szymański
Bilder: Jarosław Sobański, Fotokrajobraz Ziemi Kłodzkiej | Facebook